Erben macht schön

Erben macht schön

06.07.2010, von: Anina Heé

Für den Herbst setzt das Beauty-Label Nars kein handelsübliches Model-Küken in Szene, sondern wirbt mit Millionenerbin Daphne Guinness. Die ist zwar 42, in Sachen Exzentrik aber kaum zu übertreffen.

Herzförmige Lippen, grosse Augen, hohe Wangenknochen – so sehen fast alle taufrischen Mädels aus, die uns das neueste Make-up-Allerlei schmackhaft machen. Meist sind sie keine 20. Männer könnten sich angesichts solcher Kampagnen allein beim Anblick der Bilder verknallen – und die Normalo-„Evas“? Sie möchten – selbstredend – ähnliche Ich-will-dich-Effekte auch im wahren Leben auslösen. Und so verkaufen sich die empfohlenen Lippenstifte, Lidschatten und Blushes jede Saison wie warmi Semmeli. Warum nun wirbt ein Kosmetikkonzern mit einer 42-Jährigen? Nun, die Dame hat einen Namen, und alles, was dazu gehört. Daphne Guinness ist Glamour, gleich Nars, gleich: Treffer. Gäbe es den Begriff Exzentrik nicht, er müsste für das irische It-„Girl“ neu erfunden werden. Mit 19 heiratete Guiness – ja, die aus der Bier-Dynastie – den Reederei-Erben Spyros Niarchos. Feiner Zug, die Scheidung 12 Jahre später spülte 50 Millionen Dollar Abfindung in ihre Kasse. Das schafft Möglichkeiten. Bis heute hält sie nichts von ihrem Dauerspass Haute-Couture ab, warum auch, bei so viel Leidenschaft: Daphne Guiness‘ ausschliesslich schwarze Sammelstücke fangen keinen Staub, werden die wertvollen Kleider doch täglich ausgeführt. In ihrer Aufmachung hat sie allerdings wohl auch schon manch Kind erschreckt – Guiness erinnert mit ihren schwarz-weiss gefärbten Haaren an 101-Dalmatiner-Schreckschrulle Cruella de Ville. Den Kleinen mag sie unsympathisch sein, in der Kosmetikindustrie spielt das keine Rolle. So verschaute sich François Nars auf Anhieb in den sorglos-reichen Taugenichts. Zunächst musste sich Guiness zwar noch unterordnen – vergangenes Jahr inszenierte der Beauty-Guru die Irin mit 14 anderen Stil-Ikonen für ein Jubiläumsprojekt. Von ihr war er allerdings dermassen angetan, dass er sie erneut engagierte. Nars‘ Make-up ist wie Guinness, auf einen Begriff gefasst: exzentrisch. Kleine Überraschung am Rande: Der Lidschatten mit Namen „Daphne“ ist nicht schwarz-weiss sondern schillernd violett. Nun ja, ein bisschen Abwechslung braucht‘s halt immer.

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